{"id":2822,"date":"2026-06-19T11:56:25","date_gmt":"2026-06-19T09:56:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/?p=2822"},"modified":"2026-06-19T11:56:26","modified_gmt":"2026-06-19T09:56:26","slug":"google-haftet-fuer-seine-ki-uebersicht-lg-muenchen-i-rechnet-ki-antworten-dem-suchmaschinenbetreiber-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/?p=2822&lang=de","title":{"rendered":"Google haftet f\u00fcr seine KI-\u00dcbersicht: LG M\u00fcnchen I rechnet KI-Antworten dem Suchmaschinenbetreiber zu"},"content":{"rendered":"\n<p>LG M\u00fcnchen I, Urteil vom 28.05.2026 \u2013 26 O 869\/26 (einstweiliges Verf\u00fcgungsverfahren)<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gericht untersagte Google, in seiner \u201e\u00dcbersicht mit KI&#8220; rechtsverletzende Behauptungen \u00fcber zwei Verlagsunternehmen anzuzeigen. Die KI-Zusammenfassung sei eine eigene \u00c4u\u00dferung des Suchmaschinenbetreibers \u2013 daf\u00fcr haftet Google als&nbsp;<strong>unmittelbare St\u00f6rerin<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Gab man bei Google den Namen eines M\u00fcnchner Verlags zusammen mit dem (vorgeschlagenen) Begriff \u201eBetrugsmasche&#8220; ein, erzeugte die Funktion \u201e\u00dcbersicht mit KI&#8220; eine Zusammenfassung. Diese r\u00fcckte den Verlag in die N\u00e4he unseri\u00f6ser Gesch\u00e4ftspraktiken, sprach von \u201eAbo-Fallen&#8220; und stellte Verbindungen zu anderen Unternehmen her \u2013 Vorw\u00fcrfe, die nicht belegbar w\u00e4re bzw. tats\u00e4chlich andere Firmen betrafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gericht bejahe eine Haftung von Google als unmittelbare St\u00f6rerin. Die KI-\u00dcbersicht wertete es als eigenen Inhalt von Google, nicht als blo\u00dfe Anzeige fremder Suchergebnisse:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die KI gibt Treffer nicht nur als Links oder Vorschauen wieder, sondern fasst sie in eigenen Worten und eigener Gliederung zusammen, wertet sie aus und bejaht die Anfrage sogar einleitend (\u201eJa, \u2026 ist bekannt f\u00fcr unseri\u00f6se Gesch\u00e4ftspraktiken\u2026&#8220;).<\/li><li>Teilweise enthielt die \u00dcbersicht Aussagen, die sich in keiner der verlinkten Quellen fanden.<\/li><li>Da Google die KI selbst eingef\u00fchrt hat und anbietet \u2013 und nur Google Einfluss auf Angebot und Algorithmen hat \u2013, muss es sich deren Ergebnisse zurechnen lassen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Bemerkenswert ist, dass das Gericht die f\u00fcr Suchmaschinen sonst \u00fcblichen&nbsp;<strong>Haftungserleichterungen ausdr\u00fccklich ablehnt<\/strong>:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Keine Suchmaschinen-Privilegierung<\/strong>: Anders als bei einer reinen Trefferliste entstehen hier neue, eigene Aussagen, die Google \u2013 durch Abgleich mit den zugrunde liegenden Quellen \u2013 auch selbst pr\u00fcfen kann. Zudem sei die KI-\u00dcbersicht f\u00fcr die Nutzung des Internets \u2013 anders als Suchmaschinen generell &#8211; nicht zwingend erforderlich; die Datenflut werde bereits durch die Anzeige der Links beherrschbar. Die Haftung k\u00f6nne hier nicht nur auf offenkundige Rechtsverletzungen beschr\u00e4nkt werden. Anderenfalls entst\u00fcnde eine Schutzl\u00fccke f\u00fcr die Pers\u00f6nlichkeitsrechte der Betroffenen.<\/li><li><strong>Keine \u00dcbertragung&nbsp;<\/strong>der Autocomplete-Rechtsprechung: Die KI-\u00dcbersicht gehen auch \u00fcber im Wege des Autocomplete angezeigte Begriffe hinaus, weil sie eine eigene Antwort formuliere \u2013 nicht nur einen Suchbegriff vorschlage.<\/li><li><strong>Keine Entlastung<\/strong>&nbsp;durch die Quell-Links: Dass Nutzer die Quellen anklicken und pr\u00fcfen k\u00f6nnten, entbinde nicht von der Haftung. Die \u00dcbersicht sei aus sich heraus verst\u00e4ndlich; die blo\u00dfe M\u00f6glichkeit, eine Aussage durch weitere Recherche zu widerlegen, befreie nicht von der Verantwortung f\u00fcr sie.<\/li><li><strong>KI-VO-Definition als Argument f\u00fcr eine Zurechnung<\/strong>: Interessanterweise erw\u00e4hnt das Gericht die Anbieterdefinition des Art. 3 Nr. 3 KI-VO bei der Frage, ob Google als Verantwortliche f\u00fcr den KI-Output zu qualifizieren ist. Dies mag ein Indiz daf\u00fcr sein, dass k\u00fcnftige KI-VO-Pflichten (z.B. Transparenzpflichten,&nbsp; Risikomanagement usw.) zivilrechtlich als Sorgfaltsma\u00dfst\u00e4be angesehen werden k\u00f6nnen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das Urteil ist \u00e4u\u00dferungs- bzw. pers\u00f6nlichkeitsrechtlich ergangen (\u00a7\u00a7 1004, 823 BGB i. V. m. dem Unternehmenspers\u00f6nlichkeitsrecht) und reiht sich in eine wachsende Linie ein (wir berichteten \u00fcber die Entscheidung des OLG Hamm, Urteil vom 12.05.2026 \u2013 I-4 UKl 3\/25 zur Haftung f\u00fcr einen KI-Chatbot auf einer Website).<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Praxis relevant:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Datenschutzrecht<\/strong>: Hier griff die DSGVO ausdr\u00fccklich&nbsp;<strong>nicht<\/strong>, weil die Betroffenen juristische Personen waren. Erzeugt eine KI dagegen unrichtige Aussagen \u00fcber&nbsp;<strong>nat\u00fcrliche<\/strong>&nbsp;Personen, kommen Berichtigungs- und L\u00f6schanspr\u00fcche (Art. 16, 17 DSGVO) sowie die Verantwortung f\u00fcr die Datenrichtigkeit (Art. 5 Abs. 1 lit. d DSGVO) in Betracht.<\/li><li><strong>Unternehmens- und Pers\u00f6nlichkeitsschutz<\/strong>: Unwahre oder sonst rechtsverletzende KI-Aussagen \u00fcber Unternehmen oder Personen k\u00f6nnen Unterlassungs- und ggf. Schadensersatzanspr\u00fcche ausl\u00f6sen \u2013 als Betroffene wie als Betreiber sollten Sie beide Perspektiven kennen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>In der Praxis empfiehlt sich beim Einsatz von KI-Funktionen eine engmaschige Kontrolle des Outputs (z. B. Anbindung an gepr\u00fcfte Quellen, Themenfilter und Guardrails, Eskalation an menschliche Kontrolle, Monitoring) sowie funktionierende Melde- und Korrekturwege f\u00fcr Betroffene.<br>Es handelt sich um ein&nbsp;<strong>erstinstanzliches Urteil im Eilverfahren;<\/strong>&nbsp;eine h\u00f6chstrichterliche Kl\u00e4rung steht aus. Eine Tendenz der Rechtsprechung in Richtung der Bejahung der Haftung f\u00fcr KI-Inhalte mag aber bereits erkennbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p>(Dr. Marian Klingebiel, UNVERZAGT Law<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>LG M\u00fcnchen I, Urteil vom 28.05.2026 \u2013 26 O 869\/26 (einstweiliges Verf\u00fcgungsverfahren) Das Gericht untersagte Google, in seiner \u201e\u00dcbersicht mit KI&#8220; rechtsverletzende<\/p>\n<p class=\"link-more\"><a class=\"myButt \" href=\"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/?p=2822&#038;lang=de\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2822"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2822"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2822\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2823,"href":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2822\/revisions\/2823"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2822"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2822"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.eprivacy.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}